- Online-Test
- kurz darauf: Einladung zum Assessment-Center in Frankfurt, positive Rückmeldung noch vor Ort
- einige Tage später: Einladung zum Vorstellungsgespräch
Das Assessment Center war die Reise wert. Sehr positive Stimmung trotz eines anstrengenden Tages und vielseitigen Aufgaben, die größtenteils Spaß gemacht haben, das meiste in Gruppen. Der Aufwand, den die Bewerber auf sich nehmen (Anreise etc.) wird offenbar wertgeschätzt.
Ganz anders lief es im anschließenden Interview mit dem Partner. Nachdem von meiner Seite zu dem Zeitpunkt schon die Bewerbung geschrieben worden war, ein ausführlicher Online-Test absolviert worden war und mit An- und Abreise zwei weitere Tage für das Assessment Center in Frankfurt in das Bewerbungsverfahren investiert worden waren, hatte ich erwartet, dass mein Gesprächspartner sich zumindest 10 Minuten Zeit nehmen würde, um meine Bewerbungsunterlagen grob durchzugehen. Das war nicht der Fall, offenbar beschränkte sich die Vorbereitungszeit auf den Fußweg zum Besprechungszimmer, dementsprechende Fragen wurden gestellt, im Stile von:
- "waren Sie eigentlich irgendwann mal im Ausland?"
- "Wo haben Sie denn studiert?"
- "Was hatten Sie für Schwerpunkte im Studium?"
etc., im Prinzip alles nachzulesen auf Seite 1 meines Lebenslaufs.
Ansonsten bestand offenbar das dringende Bedürfnis des Interviewpartners mich mit pseudokritischen Fragen, die ihm beim Blättern in den Bewerbungsunterlagen während des Interviews kamen, (á la: "Wie kann es sein, dass Sie im Abi diese Note in Mathe und im Bachelor nur jene geschrieben haben?") ca. 2 Stunden lang unter Druck setzen zu wollen, um meine Reaktion zu testen. Anschließend noch ein Case mit 15 Minuten Vorbereitungszeit und anschließender Präsentation. Zum Abschluss des 3-stündigen Gesprächs nicht mal ein kurzes "danke" oder ähnliches.
Nach der sehr positiven Erfahrung im Assessment Center war das Vorstellungsgespräch sehr enttäuschend und sicherlich keine Werbung für das Unternehmen, wenn man bedenkt, dass man hier dem potentiellen direkten Vorgesetzten bzw, Kollegen gegenüber sitzt. BearingPoint wirbt damit, dass viele Stereotype in Bezug auf Unternehmensberatungen nicht auf das Unternehmen zutreffen. Nach meiner Erfahrung kann ich nur sagen: das hängt offenbar extrem vom Vorgesetzten ab.
Sicherlich habe in erster Linie ich mich bei BearingPoint beworben, allerdings sollte das Unternehmen (zumindest in Bezug auf meinen Interviewpartner) sich auch darauf besinnen, sich bei den Kandidaten als Arbeitgeber zu bewerben. In sämtlichen Bewerbungsgesprächen, die ich in meinem Leben bisher geführt habe, habe ich eine Respektlosigkeit in der Form nicht ansatzweise erlebt. Wenn der Arbeitsalltag von einer ähnlichen Arroganz geprägt ist, was ja zu erwarten ist, ist das für mich sicherlich kein erstrebenswertes Arbeitsumfeld sondern bestenfalls eine Notlösung.